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Die künstlerische Intelligenz

Einen ganz besonderen Zugang zu künstlicher Intelligenz bietet die IPAI Foundation in ihren Ausstellungen. Die in Zusammenarbeit mit KI generierten Kunstwerke machen die Verbindung von Kunst und Technologie erlebbar.

03.03.2026
Ebba Schröder

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Menschen auf Distanz zu der Technologie, der Hype paart sich mit Skepsis. Die IPAI Foundation will das ändern. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Barrieren abzubauen, das Vertrauen in die Technologie zu stärken – und zugleich einen differenzierten Dialog über KI in der Gesellschaft zu fördern.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kunst. Im IPAI Living Room, dem öffentlichen KI-Zentrum für Besucherinnen und Besucher der IPAI SPACES in Heilbronn, werden auf rund 1.000 Quadratmetern Fläche regelmäßig Werke von internationalen Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt, deren Arbeiten im Zusammenwirken mit künstlicher Intelligenz entstehen. „Durch den künstlerischen, oft poetischen Zugang holen wir die Menschen auf einer emotionalen Ebene ab“, erklärt die kuratorische Leiterin der IPAI Foundation, Constanze Zawadzky. „Hier zeigen wir ausgewählte Werke, die ihre Betrachterinnen und Betrachter zum Nachdenken anregen.“

Über die IPAI Foundation

Die IPAI Foundation ergänzt als gemeinnützige Gesellschaft die KI-Innovationsplattform IPAI und wird von der Dieter Schwarz Stiftung unterstützt. Sie setzt sich mit der Fragestellung auseinander, wie wir gesellschaftlichen und technologischen Fortschritt rund um das Thema menschenzentrierte künstliche Intelligenz (KI) erzeugen können. Damit leistet die Foundation einen wichtigen Beitrag zur gemeinsamen Vision, das „Global Home of Human AI“ in Heilbronn zu gestalten.

 

Die IPAI Foundation fokussiert sich darauf, Vertrauen in die Technologie zu stärken, Menschen zum Umgang mit KI zu befähigen und einen differenzierten Dialog über KI in der Gesellschaft zu prägen, der Menschen Lust auf KI und Zukunft macht. Dabei setzt sie zwei Schwerpunkte: Sie bringt sich im Bereich Wissenschaft und Transformation von KI ein und fördert den aktiven Dialog und den Wissenserwerb.

Poetisch. Emotional. Auf Mario Klingemanns Arbeit „Appropriate Response“ (2020) treffen diese Zuschreibungen jedenfalls zu. Sie besteht aus einem Split-Flap-Display, wie man es von Bahnhöfen und Flughäfen kennt. Nur wartet man hier nicht auf Informationen zur Abflugzeit, sondern auf eine KI-generierte Botschaft, für die Klingemann das neuronale Netz GPT-2 mit 60.000 Zitaten und Aphorismen trainiert hat. Wer eine persönliche Nachricht empfangen will, kniet sich auf eine Bank – eine religiös konnotierte Geste, die mit Hoffnung, aber auch mit Angst verbunden sein kann. Welche Botschaft hat die künstliche Intelligenz wohl für mich?
Vom 14. Januar bis 21. April ist im IPAI Living Room die Installation „Each Trailing a Dreamworld“ von Gretta Louw zu sehen, in der sich die australische Künstlerin mit der Vielschichtigkeit der Orchidee auseinandersetzt. Eine Soundinstallation bildet das Herzstück der Arbeit. Hierfür trainierte Louw ein KI-System mit eigens kuratierten Texten und zahlreichen präzisen Prompts. Ein Pingpong zwischen Künstlerin und KI, bis das finale Ergebnis steht. Das Resultat ist ein lyrischer Text, der – mal von der Künstlerin, mal von der KI vorgelesen – das Publikum in die materielle und metaphorische Welt der Pflanze hineinzieht. „Die Arbeit mit KI ist ein langwieriger Dialog mit dem Unbekannten“, erklärt Louw. „Man bewegt sich zwischen der fortwährenden Enttäuschung über Belangloses und den unerwarteten Momenten, in denen sich plötzlich etwas öffnet – Momente der Freude, die aus dem Unvorhersehbaren, dem Halluzinatorischen entstehen.“
Mit der Wechselwirkung zwischen künstlicher Intelligenz und dem eigenen künstlerischen Ausdruck hat sich auch Tanja Hirschfeld beschäftigt. Die Seidenstoffbahnen ihrer Installation „SIMULAKRA LABOR“ basieren auf Hirschfelds eigenen in Öl gemalten Bildserien, die sie von der KI-Software Midjourney verblenden ließ. Immer wieder musste die Künstlerin eingreifen, um zu verhindern, dass die KI von ihrer Formensprache und Ästhetik abweicht. Handgestickte Fragen auf den Stoffbahnen („What makes you human?“) spiegeln die Gedanken Hirschfelds zur Nutzung künstlicher Intelligenz im kreativen Prozess wider.
Dass es neben geistiger auch eine körperliche Intelligenz gibt, betont das Künstlerduo Liat Grayver und Daniel Berio in seiner Arbeit „LABOR“. Wobei sich das englische Wort hier nicht nur auf die handwerkliche Arbeit bezieht, sondern auch auf die Geburt. In einer einwöchigen Live-Performance erstellten die Künstler ein Wandbild aus elektronenmikroskopischen Aufnahmen einer Plazenta. Konzipiert und gemalt wurden die Bilder von einem generativen KI-System im Zusammenspiel mit einem Roboter – der allerdings auf menschliche Unterstützung angewiesen war. Denn Farben mischen, Pinsel justieren und Holzplatten platzieren kann ein Roboter (noch) nicht so präzise wie ein Mensch.
Die Werke von Sougwen Chung gelten als Pionierarbeit an der Schnittstelle von Forschung und Kunst im Bereich der Mensch-Maschine-Kollaboration. Die erste Einzelausstellung dieser Arbeiten in Deutschland war 2025 im Kunstverein Heilbronn und in den IPAI SPACES zu sehen. Die präsentierten Skulpturen und Videoinstallationen sind in Zusammenarbeit mit einem maßgeschneiderten Robotersystem entstanden, das von Sougwen Chung selbst trainiert wurde. Die KI reagiert dabei auf jede Bewegung und setzt diese in dreidimensionale Formen um. Auf diese Weise entsteht ein gemeinsamer kreativer Prozess zwischen Mensch und Maschine.

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