Skip to content

„Nicht warten, machen!“

KI-Schulpreis, Fortbildungen für Lehrer und Feriencamps: Wie setzt sich die aim Heilbronn für einen kompetenten und mutigen Umgang mit Künstlicher Intelligenz in Schulen ein, Kai Erik Trost?

05.06.2026
Sandra Hermes

H

Herr Trost, im Januar 2026 verlieh die Dieter Schwarz Stiftung zum ersten Mal den KI-Schulpreis. Sie sind Leiter des Kompetenzcenters „KI in der Bildung“ der gemeinnützigen Bildungseinrichtung aim und waren in die Juryarbeit einbezogen. Welche Preisträgerschule ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Kai Erik Trost: Die Berufsbildende Schule Gifhorn hat uns mit ihrer virtuellen Sporthalle überrascht. Da sie keine eigene Sporthalle hat, macht sie aus der Not eine Tugend und simuliert den Sportunterricht KI-gestützt mit VR-Brillen. Natürlich sollten wir uns wünschen, dass Sportunterricht auch tatsächlich in einer Sporthalle stattfindet. Eine Blaupause für andere Schulen ist das Konzept also nicht. Aber es zeigt, wie Künstliche Intelligenz nicht im Widerspruch zu klassischem Unterricht stehen muss, sondern diesen kreativ und sinnvoll erweitern kann. Mit diesem pragmatischen und lösungsorientierten Konzept hat es die Berufsschule auf die Shortlist in der Kategorie „KI-Teilkonzept“ geschafft.

In diesem Fall haben Sie die besonders innovative Art und Weise des KI-Einsatzes ausgezeichnet. Gibt es weitere Ansätze, die Sie für preiswürdig halten?
Trost: Es gibt noch eine zweite Kategorie, bei der schulische Gesamtkonzepte ausgezeichnet werden. Das sind Schulen, die KI bereits ganzheitlich oder strategisch einsetzen. Diese Schulen nutzen die KI im Unterricht und bei der Unterrichtsvorbereitung, haben ein Datenschutzkonzept ausgearbeitet und sich mit KI-Ethik beschäftigt. Außerdem setzen sie die Künstliche Intelligenz auch in Schulverwaltung oder Schulleitung ein. Das Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal hat mit seinem weitreichenden Konzept in dieser Kategorie gewonnen. Dort entwickeln Lehrer eigene didaktische KI-Agenten, es gibt Prompting-Wettbewerbe, und mithilfe der Tools „Fobizz“ und „Classtime“ werden Lernstände analysiert und Lehrmaterialien erstellt.

Über Kai Erik Trost

Kai Erik Trost leitet in der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken (aim) das Kompetenzcenter „KI in der Bildung“. Er hat an der Hochschule der Medien in Stuttgart Wirtschaftsinformatik (B. Sc.) und elektronische Medien (M. A.) studiert und an der Universität Passau in Medienwissenschaften promoviert. Nach Stationen in der Unternehmensberatung und als Institutskoordinator am Institut für Digitale Ethik an der Hochschule der Medien in Stuttgart wechselte er zur aim Heilbronn. Seine Themen sind digitale Ethik mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz und digitale Medien.

Ein Portraitbild von Kai Erik Trost

Hat ein solcher Preis Einfluss auf das Bildungssystem?
Trost: Der KI-Schulpreis motiviert Schulen, kreativ zu werden, neue Technologien auszuprobieren und Konzepte zu entwickeln. In unserem föderalen Bildungssystem gibt es ja keine einheitlichen Strategien. Wenn die digitale Transformation gelingen soll, muss die Veränderung von den Schulen ausgehen. Nicht warten, machen! Alles andere dauert viel zu lange.

Wie steht die aim zur „digitalen Transformation“?
Trost: Wir möchten sie vorantreiben! Wir wollen junge Menschen befähigen, sich selbst zu bilden – dafür agieren wir aber nicht auf politischer Ebene, sondern richten uns direkt an die Lehrer. Als Fortbildungsakademie haben wir einen großen Hebel: Wenn wir beispielsweise 100 Schulleiter zu strategischer Schulentwicklung mit Blick auf KI qualifizieren, hat das eine große Reichweite, da gerade die Schulleitungen als Multiplikatoren wirken. Aber das heißt natürlich nicht, dass wir die Schüler außen vor lassen.

Dem KI-Engagement eine Bühne geben: Die Gewinnerschulen des KI-Schulpreises 2025 wurden am 16. Januar 2026 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung auf dem Bildungscampus in Heilbronn bekannt gegeben.
Dem KI-Engagement eine Bühne geben: Die Gewinnerschulen des KI-Schulpreises 2025 wurden am 16. Januar 2026 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung auf dem Bildungscampus in Heilbronn bekannt gegeben.
Der KI-Schulpreis zeichnet Schulen aus, die innovative KI-Konzepte entwickeln und umsetzen – die KI also erfolgreich für den Unterricht, die Förderung von Schülern oder die Schulorganisation nutzen.
Der KI-Schulpreis zeichnet Schulen aus, die innovative KI-Konzepte entwickeln und umsetzen – die KI also erfolgreich für den Unterricht, die Förderung von Schülern oder die Schulorganisation nutzen.
Gewinner KI-Gesamtkonzept 2025: das Carl-Fuhlrott-Gymnasium Wuppertal. Dort entwickeln Lehrer eigene didaktische KI-Agenten, es gibt Prompting-Wettbewerbe, und mithilfe von Tools werden Lernstände analysiert und Lehrmaterialien erstellt.
Gewinner KI-Gesamtkonzept 2025: das Carl-Fuhlrott-Gymnasium Wuppertal. Dort entwickeln Lehrer eigene didaktische KI-Agenten, es gibt Prompting-Wettbewerbe, und mithilfe von Tools werden Lernstände analysiert und Lehrmaterialien erstellt.
KI – ein Thema, das auch die Schulwelt bewegt. Entsprechend groß war das Interesse am KI-Schulpreis 2025. Das Motto der Besuchenden: aus den erfolgreichen Praxisbeispielen anderer lernen und eigene Ideen kreieren, die Schulen spürbar verbessern.
KI – ein Thema, das auch die Schulwelt bewegt. Entsprechend groß war das Interesse am KI-Schulpreis 2025. Das Motto der Besuchenden: aus den erfolgreichen Praxisbeispielen anderer lernen und eigene Ideen kreieren, die Schulen spürbar verbessern.

Was bieten Sie Kindern an?
Trost: Unsere Philosophie ist es, ein Angebot zu schaffen, das den Schulunterricht ergänzt – etwa durch Juniorakademien für begabte Kinder und Jugendliche oder in unseren praxisorientierten Ferienakademien, die gerade den Schülern mit schwierigen Bildungsbiografien wertvollen Input geben. Außerdem bieten wir für Elf- bis 16-Jährige im Großraum Heilbronn Programmier- und MINT-Kurse an, die nicht Teil des Fachunterrichts an der Schule sind. Da die aim gemeinnützig ist und vollständig von der Dieter Schwarz Stiftung getragen wird, sind diese Kurse für die Teilnehmer kostenfrei.

Die mit dem KI-Preis gekürten Schulen sind bisher noch Leuchttürme. Andere Schulen haben Bedenken in Sachen Datenschutz und Rechtssicherheit. Was entgegnen Sie solchen Vorbehalten?
Trost: Die Bedenken sind nachvollziehbar und sollten auch ernst genommen werden. Gleichzeitig sage ich, Abwarten schafft auch keine Rechtssicherheit. Beim Thema KI entsteht Sicherheit durch erprobte Anwendungen und Kompetenzaufbau, nicht durch Verzicht. Schulen können nicht bis zur vollständigen Rechtssicherheit warten, bis sie sich mit neuen Technologien beschäftigen. Das sehen wir beim Thema Smartphone. Neue Technologien müssen pädagogisch frühzeitig erprobt werden, während rechtliche Leitlinien entstehen. Es ist viel erreicht, wenn Menschen an Schulen ethisch und sozial verantwortungsvoll mit den Tools umgehen.

Stärken Sie Lehrer in dieser Hinsicht mit Ihren Fortbildungsangeboten?
Trost: Ja, wir haben viele Angebote im Bereich der KI-Ethik. Wir möchten, dass die Menschen verstehen, was sie tun. Dass Lehrer wissen, wie sie KI verantwortungsvoll im Unterricht einsetzen, und dass sie für Themen wie Datenschutz und digitale Souveränität sensibilisiert sind. Wir wollen ihnen aber auch Anwendungsfälle zeigen und sie ermutigen, KI produktiv im Unterricht einzusetzen. Das Ziel ist eine reflektierte, verantwortungsvolle Nutzung, die im Idealfall innovativ ist und den Schülern einen positiven Blick auf die Zukunft zeigt. Davon profitieren in unseren Augen gerade bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche.

Über den KI-Schulpreis

Der KI-Schulpreis wird alle zwei Jahre vergeben. In Zusammenarbeit mit der aim sowie der Deutschen Telekom Stiftung und „Deutschland. Land der Ideen“ zeichnet die Dieter Schwarz Stiftung mit ihm Schulen aus, die KI auf innovative Art und Weise einsetzen. Der nächste KI-Schulpreis wird 2027 verliehen.

Wie genau? Können Sie Beispiele nennen?
Trost: Es gibt zum Beispiel KI-Tools, die sprachsensibel arbeiten. Sie können Aufgaben vereinfachen, sie in die Muttersprache der Kinder übersetzen oder Mathe-Textaufgaben für die Kinder verständlicher formulieren. Unsere Vision ist, dass alle Kinder und Jugendlichen ihre Bildungschancen nutzen. KI kann dabei eine große Hilfe sein.

KI-Anwendungen entwickeln sich stetig weiter und werden in der Bildung immer mehr Raum einnehmen. Wird der KI-Bereich auch an der aim weiterwachsen?
Trost: Ja, neben dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz werden im Kompetenzcenter „KI in der Bildung“ auch andere Schwerpunkte gestärkt: etwa das Thema Wertebildung und der Aufbau von Resilienz – Stichwort Social-Media-Verbot. Digitale Spiele werden ebenfalls mehr Raum bekommen. Diese eignen sich besonders für Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Hier erproben wir gerade verschiedene Möglichkeiten.

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen

„Das Lernkonzept ist genial, weil es so praxisnah ist“

Keine Lehrkräfte, kein Frontalunterricht, dafür Projektarbeit: Die Programmierschule 42 Heilbronn bildet die Coderinnen und Coder von morgen aus. Zwei Studierende und ihr Geschäftsführer berichten.

Mehr lesen

„Baby, Besuch für dich!“

In Heilbronn werden Neugeborene auf besondere Weise willkommen geheißen. Doch was steckt hinter dem freundlichen Besuch der Baby-Botschafterinnen? Sophia Mayer vom Haus der Familie erklärt.

Mehr lesen

„Alle Kinder sollten ihre Talente entfalten können“

Um die Bildungschancen von Kindern zu stärken, setzt die aim Heilbronn eigens ausgebildete Förderlehrkräfte ein. Melanie Meißner ist eine von ihnen. Warum sie gebraucht wird und wie sie helfen kann.

Mehr lesen
;