„Erfolg zieht Erfolg an“
Die Start-up-Szene lebt von neuen Ideen – und von erfolgreichen Vorbildern. Drei Mentorinnen und Mentoren von den Campus Founders berichten, wie sie jungen Gründenden mit Rat und Tat zur Seite stehen.
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Keine Lehrkräfte, kein Frontalunterricht, dafür Projektarbeit: Die Programmierschule 42 Heilbronn bildet die Coderinnen und Coder von morgen aus. Zwei Studierende und ihr Geschäftsführer berichten.
Manche kommen morgens um acht, andere tüfteln lieber nachts: An der „Coding School 42 Heilbronn“ lösen Studierende in ihrem eigenen Tempo praxisnahe Aufgaben. Gleichzeitig ist gegenseitige Unterstützung gefragt, der Zusammenhalt zwischen den Peers groß. Denn Programmieren lernt man hier voneinander im Team. Zwei Studierende und der CEO berichten, wie es ist, an der 42 Heilbronn zu lernen. Und warum es vor allem darum geht, das Lernen zu erlernen.
Kerstin Becker, Abiturjahrgang 1997, ist Mutter von zwei Kindern und arbeitet seit Jahren als Fachinformatikerin. Zeit, etwas Neues zu lernen, dachte sie sich und bewarb sich an der 42 Heilbronn.
„Ich hatte an einem Infostand der 42 Heilbronn mit Studierenden gesprochen. Danach sagte ich zu meinem Mann: ‚Hätte es so ein Lernkonzept früher schon gegeben, hätte ich mich sofort angemeldet.‘ Er fragte, warum ich es nicht jetzt versuche – und so ging ich hin. Ich bestand die Aufgaben im Rahmen der Logikspiele, dann folgten 26 Tage in der Schule am Campus. Für diesen vierwöchigen Aufnahmetest, ‚Piscine‘ genannt, habe ich Urlaub und Freizeitausgleich genommen. Danach stand für mich fest: So wollte ich schon immer lernen!
Die 42 Heilbronn hat 365 Tage 24 Stunden geöffnet. Man kann sich die Zeit frei einteilen, jederzeit an den PCs arbeiten. Diese Flexibilität kommt mir entgegen, denn meinen Job habe ich behalten und vereinbare Studium, Familie und Beruf. Das Lernkonzept ist genial, weil es so praxisnah ist. Ich musste mich schon immer selbst weiterbilden, da sich die digitalen Werkzeuge ständig verändern. Eine Lehrperson fehlt mir nicht, die habe ich bei der Arbeit auch nicht. Dafür gibt es die Mitstudierenden. Man bekommt Aufgaben, muss Ziele erreichen, einfach wie im wahren Leben. Mein Arbeitgeber war überrascht von meinem Entschluss, unterstützt mich aber. In Zeiten von KI muss man sich abheben von anderen. Ich will einfach vorbereitet sein für die Zukunft.“
Ömer Bilican schätzt an der 42 Heilbronn besonders die Kontakte in die Unternehmenswelt. Hier sammelt er schon während des Studiums praktische Erfahrungen.
„Ich habe in meinem Studium für Management und Sales schnell realisiert, dass ich mich nicht für Theorie begeistern kann. Ich machte ein Praktikum, jobbte, wagte einen Tapetenwechsel. Irgendwann erhielt ich über Instagram eine Werbung der 42 Heilbronn. Da wusste ich, was ich machen wollte! Ich nahm zum ersten Mal an der ‚Piscine‘ teil, wurde aber nicht genommen. Dafür entdeckte ich privat meine Begeisterung fürs Programmieren. Im zweiten Anlauf hat es an der 42 Heilbronn geklappt. Das hat meinem Leben eine neue Bedeutung gegeben. Das Beste ist die Freiheit, sich selbst zu organisieren. Außerdem sammelt man praktische Erfahrungen, kann netzwerken und findet leicht Freundinnen und Freunde.
Besonders die Kontakte in die Unternehmenswelt finde ich attraktiv. Kürzlich war ich mit einer Gruppe der 42 Heilbronn für einen Hackathon (Anm. d. Red.: Event zur Problemlösung) bei einem Autohersteller in Prag eingeladen. Wir sollten aus einer Excel-Tabelle mit 24.000 Zeilen Personen mit bestimmten Programmierkenntnissen herausfiltern und Weiterbildungen für sie empfehlen. Gemeinsam haben wir gute Lösungen entwickelt und durften das Ergebnis vor Unternehmensmitarbeiterinnen und -mitarbeitern präsentieren. Alle wollten am Ende des Projektes ein solides Produkt anbieten. Ich war überrascht, wie sehr das gemeinsame Ziel alle Gruppenmitglieder motiviert hat, am selben Strang zu ziehen. Das ist der Vorteil der Praxisnähe, die ich bei Gruppenarbeiten an der Uni oft vermisst habe.“
Moritz Carthaus ist CEO der 42 Heilbronn. Die Studierenden beeindrucken ihn mit ihrem Mut, Probleme anzupacken und Lösungen zu entwickeln.
„Wenn ich gefragt werde, was die 42 Heilbronn ausmacht, dann antworte ich immer: ‚Das Wichtigste ist, dass man lernt, wie man lernt.‘ Die Verantwortung für die eigene Entwicklung zu übernehmen – das erfährt man hier. Die Studierenden wissen, welche Aufgaben sie erledigen müssen. Aber wie sie lernen, wann oder mit wem, das entscheiden sie völlig frei. Bei der Bewertung ihrer Aufgaben durch jeweils drei Studierende nehmen sie jede Menge Life Skills mit. Man lernt ganz früh, Feedback zu geben und anzunehmen. Das brauchen wir auch später im Job, nur so funktioniert Co-Creation. Gemeinsam etwas schaffen – das ist die Zukunft des Lernens.
Bei uns bekommt jede und jeder eine Chance, man kann sogar ohne Schulabschluss anfangen. Die meisten Menschen, die hier studieren, bringen die richtige Mentalität mit, ihr Mut und ihre Motivation beeindrucken mich. Sie packen ein Problem an und haben keine Angst davor. Unsere Studierenden haben am Ende keinen anerkannten Abschluss, aber vielen Unternehmen ist das egal. Sie wissen, dass bei uns richtig tolle Leute rauskommen.“
An der 2021 von der Dieter Schwarz Stiftung gegründeten Programmierschule 42 Heilbronn lernen derzeit rund 400 Studierende das Programmieren. Schulabschlüsse und Vorkenntnisse spielen in dem aus Frankreich stammenden Peer-to-Peer-Bildungsmodell keine Rolle. Wer hier aufgenommen werden will, muss zwei digitale Tests bestehen und in einer vierwöchigen Probezeit – „Piscine“ genannt (aus dem Französischen für „Schwimmbecken“) – Logik, Motivation und Durchhaltevermögen beweisen. Anschließend steht statt Frontalunterricht projektbasiertes Lernen auf dem Programm. In der Regel bearbeiten die Studierenden in zwei Jahren rund 15 Projekte.
Hilfe gibt es bei den Peers, ansonsten ist selbstständiges Lernen gefragt. Denn das nötige Wissen fürs Programmieren müssen sich die Studierenden selbst aneignen. Diese sind bunt gemischt: aus aller Welt, von jung bis alt, vom Realschulabsolventen bis zur erfahrenen IT-Fachfrau. Nach dem kostenfreien Studium steigen die Aussichten auf einen guten Job. Viele Partnerunternehmen sehen in den Absolventinnen und Absolventen hochattraktive Fachkräfte.
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