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„Erfolg zieht Erfolg an“

Die Start-up-Szene lebt von neuen Ideen – und von erfolgreichen Vorbildern. Drei Mentorinnen und Mentoren von den Campus Founders berichten, wie sie jungen Gründenden mit Rat und Tat zur Seite stehen.

13.02.2026
Philipp Nagels

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Für junge Gründerinnen und Gründer sind sie eine riesige Unterstützung: Menschen, die ihre Unternehmen bereits zu einigem Erfolg geführt haben und die nächste Generation beraten. Das ist die Idee des „Flywheel“-Prinzips: Erfahrene Start-up-Akteurinnen und -Akteure lassen die noch unerfahrenen an ihrem Wissen teilhaben, fördern Ideen und ebnen jungen Entrepreneurinnen und Entrepreneuren den Weg. Diese werden ihrerseits zu Mentorinnen und Mentoren der nächsten Generation. So entsteht ein nachhaltiger Innovationskreislauf.

Drei Mentorinnen und Mentoren berichten, wie sie ihren Erfahrungsschatz mit dem unternehmerischen Nachwuchs teilen.

Lisa Gradow ist Juristin, mehrfache Gründerin und Start-up-Investorin, die bereits mit 17 Jahren Unternehmerin wurde. Ihre Consent-Management-Plattform Usercentrics macht mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz. Sie sieht die deutsche Start-up-Szene aktuell auf einem guten Weg – auch weil sich immer mehr Ökosysteme bilden.

„Für mich ist das Mentoring vor allem ein Coaching, kein Lecturing.“

„Ich lebe in München, komme aber ursprünglich aus Heilbronn und sage immer: Wenn es Campus Founders schon gegeben hätte, als ich Abi gemacht habe, wäre ich dort nie weggezogen. Heute bin ich dort selbst Speakerin bei Events und seit Frühsommer auch als Mentorin tätig. Besonders bei Legal- und Compliance-Themen und beim Fundraising kann ich Gründende gut unterstützen, da habe ich sehr viel Erfahrung, auch international.

Für mich ist das Mentoring vor allem ein Coaching-Prozess, kein Lecturing. Ich nehme nicht vorschnell alles auseinander. Die Teams müssen ein eigenes Gefühl als Unternehmerin oder Unternehmer entwickeln und eigene Lösungen für Probleme finden. Auf diesem Wege unterstütze ich sie. Gründen ist heute einerseits leichter als vor zehn Jahren, weil es viel mehr verfügbare Ressourcen gibt: Programme, Pitchdecks, Erfahrungsberichte von erfolgreichen Gründenden und KI, die die Recherche beschleunigt. Gleichzeitig ist das Funding derzeit schwieriger als vor einigen Jahren: Investorinnen und Investoren erwarten neben einem funktionierenden Produkt schon erste Kundinnen und Kunden und erste Umsätze, bevor sie selbst einsteigen.

Ich schätze die Erfahrung, aus dem eigenen Alltagsgeschäft rauszukommen und junge Menschen zu sehen, die die Welt erobern wollen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, vor allem wenn man noch nicht so viel Ablehnung erfahren und nicht so oft Nein gehört hat. Das darf man als Mentorin oder Mentor auch nicht ersticken oder zu sehr versuchen, die eigenen Erfahrungen darüberzustülpen. Märkte verändern sich wahnsinnig schnell. Deswegen: Zuhören und die richtigen Fragen stellen – das ist meine Devise.“

Tobias Rieker ist Ingenieur und Gründer des Software-Start-ups MARKT-PILOT. Er hat mehr als 50 Millionen Euro Wagniskapital eingesammelt und selbst in mehr als 15 Start-ups investiert. Er wünscht sich für Deutschland eine Kultur, die Scheitern und unkonventionelle Lebensläufe stärker akzeptiert.

„Als Mentor errichte ich beim Sparring Leitplanken, treffe aber keine Entscheidungen.“

„Ich bin seit rund vier Jahren Mentor für Start-ups, vor allem in Heilbronn und Stuttgart. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit, denn ich wurde als Gründer selbst stark von den Campus Founders unterstützt und möchte das zurückgeben. Derzeit begleite ich wöchentlich vier Start-up-Teams. Es geht dabei vor allem um Go-to-Market-Themen und strategische Fragen, da habe ich am meisten Erfahrung – von Pre-Revenue-Start-ups mit null Euro Umsatz bis zu solchen mit Series-A-Finanzierung oder achtstelligen wiederkehrenden Umsätzen.

In die Mentoring-Sessions bringen die Teams ihre aktuellen Fragen mit, und wir überlegen gemeinsam: Was ist wichtig und dringend? Das gehen wir direkt in der Session an. Was ist wichtig und nicht dringend, oder was ist dringend, aber weniger wichtig? Das behandeln wir später. Und unwichtige, nicht dringende Themen fliegen raus. Zusätzlich habe ich eine Toolbox für Go-to-Market-Themen entwickelt. Wenn zum Beispiel der Nutzen eines Produkts nicht klar an die Kundinnen und Kunden kommuniziert wird, gehen wir da zusammen tiefer rein. Als Mentor errichte ich beim Sparring die Leitplanken, treffe aber keine Entscheidungen.

Aus meiner Erfahrung gründen viele Teams zu schnell. Ich bin ein Fan der ‚Spieß-umdreh-Methode‘: Beweis dir selbst, warum das Unternehmen in einem halben Jahr scheitert. Wenn du das positiv widerlegst – super! Und wenn nicht, sparst du Zeit, Geld und Herzblut. Viele Gründerinnen und Gründer sind sehr von ihren Ideen überzeugt, aber man braucht wahre Größe, um neutral und unbefangen in den Spiegel zu schauen und sich ehrlich zu fragen: Ist das eine gute Idee, die funktionieren kann? Zu gründen bedeutet auch, Mut zu haben.“

Christine Rittner ist Aufsichtsrätin, Interimsmanagerin, Business Angel und Mentorin. Sie war rund 20 Jahre im Großkonzern tätig, unter anderem als CEO und CHRO in der Schwarz Gruppe. Rittner findet, dass Unternehmertum schon in der Schule gefördert werden sollte.

Christine Rittner

„Die Gründerinnen merken dann: Wir können und müssen größer denken.“

„Ich habe 2020 meine Konzernkarriere beendet und mir die Kennzahlen zu Gründungen in Deutschland angesehen: 20 Prozent sind Frauen, 1,5 Prozent des Kapitals gehen an rein weibliche Teams. Ich dachte: Es kann doch nicht sein, dass wir Frauen nicht genauso gut gründen können wie Männer. Deswegen wurde ich Mentorin.

Ich begleite Gründerinnen in der frühen Phase, unter anderem bei den Campus Founders in Heilbronn. Ich mache rund 80 Mentoring-Sessions pro Jahr und veranstalte drei- bis viermal im Jahr ein Female-Founders-Event. Als ich im April 2023 angefangen habe, gab es bei den Campus Founders etwa 30 Gründerinnen – heute sind es mehr als 150. Das ist wirklich toll zu sehen. Mir persönlich bringt das Mentoring auch sehr viel: Ich lerne ständig etwas über neue Trends, KI und Konsumentenverhalten.

Über die Campus Founders

Campus Founders ist der Start-up- und Co-Innovation-Hub in Heilbronn. Neun verschiedene Programme unterstützen Gründerinnen und Gründer von der ersten Ideenentwicklung und Validierung bis zum Erreichen der Marktreife und der nachhaltigen Skalierung. Die Programme vereinen praktische Erfahrungen, fortschrittliche Methoden, finanzielle Starthilfen sowie einen Mentorenpool und ein internationales Netzwerk. Die Campus Founders werden von der Dieter Schwarz Stiftung gefördert. Die Stiftung unterstützt die Gründerkultur am Standort in Heilbronn umfassend und investiert in die Weiterentwicklung des dortigen Innovationsökosystems.

Die besten Ideen entstehen oft im direkten Austausch. Ich frage: Wo möchtet ihr in fünf Jahren stehen? Und wie wäre der Weg dahin, wenn Geld keine Rolle spielt? Die Gründerinnen merken dann: Wir können und müssen größer denken. Mein Ziel ist es, ihnen Selbstvertrauen zu geben und sie stark zu machen, damit sie dranbleiben. Gerade Gründerinnen unterschätzen sich häufig und wollen alles zu 100 Prozent perfekt machen. Ich bin überzeugt, dass wir über Baden-Württemberg und Deutschland hinausdenken sollten. Wir müssen hierzulande mehr große Start-ups hervorbringen – auch von Female Founders. Erfolg zieht Erfolg an, Vielfalt zieht Vielfalt an.“

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