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„Durch das Mentoring habe ich gelernt, dass es auch auf die Persönlichkeit ankommt“

WoMent bringt Heilbronner Studentinnen mit Expertinnen aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Sarah Bell und Anika Widmann erzählen, was sie voneinander gelernt haben.

09.03.2026
Elisabeth Krainer

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Frau Bell, Sie waren Mentee des WoMent-Programms. Wie hat es Ihre Karriere geprägt?
Sarah Bell: Ich wollte in die IT-Branche, am besten im Automotive-Bereich. Durch mein Logistikstudium an der Hochschule Heilbronn sowie durch meine Werkstudententätigkeiten im Automotive-Umfeld hatte ich bereits erste Einblicke in die Branche und wusste, dass ich dort beruflich Fuß fassen möchte. Trotzdem war mir noch nicht ganz klar, wie genau mein Einstieg aussehen könnte. Dann hörte ich von WoMent. Durch das Programm und meine Mentorin Anika gewann ich mehr Orientierung und Selbstvertrauen für meinen weiteren Weg. Das Mentoring unterstützte mich dabei, meinen Einstieg in den IT-Bereich zu finden, auch ohne ein klassisches IT-Studium.

Wie haben Sie das geschafft?
Bell: Anika hat mich ermutigt, selbstbewusster zu sein. Früher dachte ich, ich müsste alle Anforderungen eines Jobprofils erfüllen, um mich überhaupt bewerben zu können. Durch das Mentoring habe ich gelernt, dass es auch auf die Persönlichkeit ankommt. Ein Beispiel: Mein Hobby ist Programmieren. Anika hat mich auf die Idee gebracht, anstelle eines klassischen Anschreibens ein Spiel zu programmieren, das meine Stärken, meine Werte und Fähigkeiten zeigt. Damit konnte ich meinen ersten Arbeitgeber überzeugen. Durch den Austausch habe ich gelernt, mich selbst zu reflektieren und bei Bewerbungen auch zu fragen: Passt das Unternehmen eigentlich zu mir und zu meinen Werten? Dass ich mich getraut habe, mit einer so unkonventionellen Bewerbung ins kalte Wasser zu springen und mich auch bei Unternehmen außerhalb meines ursprünglichen Fachbereichs zu bewerben, war für mich ein Ergebnis des gesamten Mentoring-Prozesses.

Frau Widmann, Sie sind Gründerin von Kobold Consulting und Projektleiterin bei einem Automotive-Konzern. Sie wurden als Mentorin für Sarah Bell ausgewählt. Wie war Ihr erster Eindruck?
Anika Widmann: Wir haben sofort gemerkt, dass es fachlich und menschlich passt. Wir sprachen von Anfang an auf Augenhöhe. Wir hatten ähnliche Erwartungen an das Programm: Es ging nicht darum, dass jemand Jobchancen aus dem Hut zaubert, sondern um einen ehrlichen Austausch, konkrete Tipps zu Bewerbungen und die Unterstützung in Momenten des Zweifelns.

Warum wurden Sie Mentorin bei WoMent?
Widmann: Während meines Studiums in England war ich Teil eines Buddy-Programms und erfuhr selbst, wie wertvoll der Austausch als Berufseinsteigerin mit Profis aus der Wirtschaft sein kann. Deshalb wollte ich etwas zurückgeben und habe für WoMent zugesagt. Sarah war meine erste Mentee. Inzwischen begleite ich bereits zum vierten Mal eine Mentee.

Über WoMent

WoMent begleitet Studentinnen seit vielen Jahren an der Hochschule Heilbronn auf ihrem Weg ins Berufsleben. Seit 2020 ist das Karriereförderprogramm eine gemeinsame Initiative der Hochschule Heilbronn, der DHBW Heilbronn und der Wissensstadt Heilbronn, gefördert von der Dieter Schwarz Stiftung.

 

Das Programm bringt Studentinnen für ein Jahr mit erfahrenen Führungskräften aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Fragen zu Karriereplanung und beruflicher Orientierung – zugleich entsteht ein interdisziplinäres Netzwerk. Neben den Eins-zu-eins‑Mentorings bietet WoMent ein vielfältiges Weiterbildungsprogramm mit Workshops zu Persönlichkeitsentwicklung und Future Skills sowie vertiefendem Karrierecoaching und fundierter Potenzialanalyse an.

 

Die nächste Bewerbungsphase für Bachelor‑ und Masterstudentinnen der Heilbronner Hochschulen startet am 20. April 2026.

Hat sich denn Ihre Karriere dadurch verändert?
Widmann: Ich habe WoMent als Anlass genommen, eine Ausbildung zur systemischen Coachin zu machen. So kann ich Mentees noch besser begleiten und habe dadurch auch selbst eine neue Perspektive gewonnen.

Anika Widmann: Gründerin von Kobold Consulting, Automotive-Projektleiterin und Mentorin beim WoMent-Programm.
Anika Widmann: Gründerin von Kobold Consulting, Automotive-Projektleiterin und Mentorin beim WoMent-Programm.

Sie waren Teil des ersten WoMent-Jahrgangs vor fünf Jahren. Erinnern Sie sich noch daran, wie Ihre ersten Treffen abliefen?
Widmann: Die ersten Stunden mit Sarah empfand ich wie einen Blick in den Spiegel – Sarah hatte viele Fragen, die ich am Anfang meiner Karriere auch hatte. Vieles drehte sich um Bewerbungen, Netzwerke und das Sichtbarwerden in der Branche. Ich wollte ihr von Anfang an mitgeben: Leidenschaft ist das beste Werkzeug, um im Wunschjob Fuß zu fassen.

Bell: Dadurch habe ich erkannt, wie wichtig es ist, einen Job zu finden, in dem ich mich wohlfühle und der mir Freude bereitet. Anika hat zudem sehr offen aus ihrem Arbeitsalltag erzählt. Sie hat mir alle Facetten gezeigt, nicht nur den Blick durch die rosarote Brille. Die ungefilterten Eindrücke machten es mir leichter, meinen Weg zu finden, weil ich dadurch einen realistischen Einblick in die Branche hatte.

Das Mentoring half Sarah Bell dabei, mehr Orientierung und Selbstvertrauen sowie den Einstieg in den IT-Bereich zu finden.
Das Mentoring half Sarah Bell dabei, mehr Orientierung und Selbstvertrauen sowie den Einstieg in den IT-Bereich zu finden.

Frau Bell, das WoMent-Programm umfasst neben dem Mentoring auch Trainings und Workshops. Welche waren für Sie am wertvollsten?
Bell: Früher wurde ich vor großen Gruppen schnell nervös. Zu der Zeit des Mentorings fanden coronabedingt viele Termine online statt. Durch die Trainings habe ich gelernt, mich trotz Aufregung digital gut zu präsentieren: wie ich mich vor der Kamera positioniere, wie ich wirke und worauf ich im Online-Setting achten sollte. Viele dieser Tipps helfen mir bis heute in digitalen Meetings.

WoMent ist ein Mentoring-Programm speziell für Frauen. Wie wichtig ist das?
Widmann: Gerade in einer digitalen Welt ist Austausch sehr wichtig. In technischen Bereichen, in denen Frauen oft in der Minderheit sind, schafft Mentoring einen geschützten Raum. Dort kann man offen fragen, sich austauschen und Erfahrungen teilen.

Bell: Das kann ich nur unterstreichen. Besonders in Branchen, in denen Frauen noch unterrepräsentiert sind, sind Netzwerke umso wichtiger. Durch unseren Austausch habe ich verstanden, wie ich in einem eher männerdominierten Bereich als Frau sichtbar werde und Kontakte aktiv für mich nutzen kann. Und wenn man Frauen in verantwortungsvollen Positionen sieht, erweitert das den eigenen Horizont. Dank Anika wusste ich: Das möchte ich auch erreichen. Für mich ist sie bis heute ein Vorbild.

Sie stehen also heute noch in Kontakt?
Widmann: Ja. Inzwischen arbeiten wir beide im selben Konzern, das macht es uns natürlich leicht. Wir treffen uns zum Mittagessen oder begegnen uns ab und zu im Alltag. Es ist schön, Sarah zu begleiten und zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt.

Bell: Ich hole mir bis heute gern Anikas Rat, auch wenn es längst nicht mehr ihre Aufgabe ist. Sie hat ein sehr gutes Auge und gibt klare, ehrliche Rückmeldungen. Dass daraus eine Freundschaft wurde, ist ein sehr schöner Nebeneffekt des Programms.

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