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Auf Spuren­suche in der Experimentier­küche

Eine 3. Klasse der Neubergschule Neckarsulm erlebt in der experimenta, wie Lernen anders geht. Aus der „Bäckerei für die Sinne“ nehmen die Kinder weit mehr mit als ihr selbst gemachtes Gebäck.

14.02.2026
Jörg Runde

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Es ist die pure Vorfreude, die mit 17 Schülerinnen und Schülern einer 3. Klasse der Neuberg­schule Neckarsulm an diesem Morgen in die experimenta einzieht. „Heute sind wir alle Bäckerinnen und Bäcker, Forschende und Detektivinnen und Detektive“, begrüßt Luisa Lenk die Klasse in der Experimentier­küche. Bevor die Entdeckungs­reise im Workshop „Bäckerei für die Sinne“ losgeht, erklärt die Kurs­leiterin noch die wichtigsten Regeln. „Erst Hände waschen, dann könnt ihr euch die Schürzen umbinden und danach die Hände desinfizieren.“

Die Kinder versammeln sich um die Tische, auf denen Mehl, Öl, Back­pulver, Quark und Zucker bereit­stehen. Schnell schielen sie aber auf die „Geheimzutaten“, die auf den Rezepten notiert sind: Zimt, Zitrone, Orange, Vanille. „Bitte nicht verraten, was auf euren Zetteln steht“, mahnt Lenk lächelnd und ergänzt: „Später wird dann geraten, wer welche Geheim­zutat hat.“

Überraschungsbesuch: Dr. Franziska Lang, Geschäftsführerin der experimenta, schaut beim Backkurs vorbei und lässt die Kinder von ihren Kreationen kosten.
Überraschungsbesuch: Dr. Franziska Lang, Geschäftsführerin der experimenta, schaut beim Backkurs vorbei und lässt die Kinder von ihren Kreationen kosten.

Ausprobieren, bis es passt

Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, bilden die Kinder Teams. Isak und Farith sind in einer Gruppe. Sie stecken die Köpfe zusammen, lesen konzentriert den Rezept­zettel und mischen die Zutaten. „Das macht ihr genau richtig“, lobt Lenk. Dann wird geknetet und geformt. Isak und Farith brauchen mehrere Anläufe, dann ist der Quarkzopf so, wie er sein soll. „Das gehört dazu. Bei uns können die Kinder so lange ausprobieren, bis es passt“, meint Lenk und sagt zu den beiden Jungs: „Und wenn ihr Fehler macht, ist das nicht schlimm. Daraus lernt man am meisten.“

Wer seinen Zopf fertig gedreht hat, darf aus den Teigresten noch eigene, kreative Ideen umsetzen. „Die könnt ihr dann mit nach Hause nehmen“, sagt Lenk und bittet die Gruppen, ihre Bleche in die vorgeheizten Öfen zu schieben.

Schauen, wie’s geht: Kursleiterin Luisa Lenk leitet die Kinder bei der Zubereitung ihres Quarkzopfes an.
Schauen, wie’s geht: Kursleiterin Luisa Lenk leitet die Kinder bei der Zubereitung ihres Quarkzopfes an.

Vom Roboter bis zur DNA-Analyse

Während die Zöpfe und die Eigenkreationen bei 160 Grad für 25 Minuten backen, erzählt Lenk den Kindern und ihrer Lehrerin Lea Bonomo von den anderen Laboren der experimenta. „Neben der Experimentierküche könnt ihr hier in Chemie-, Bio-, Physik- oder Techniklaboren forschen, Roboter programmieren oder mit Reagenzglas und Pipette eine DNA-Analyse machen. Wir haben auch einen Science Dome, eine Kombination aus Theater und Planetarium“, berichtet Lenk den staunenden Kindern.

Rund 70 Laborkurse können Kinder und Jugendliche hier absolvieren und so selbst zu Forscherinnen und Forschern werden. Das Angebot deckt viele Themen der baden-württembergischen Bildungspläne ab. Ideale Bedingungen, um Lerninhalte praktisch zu vertiefen. „Wir wollen alle Kinder fördern – egal, auf welchem Leistungsstand sie sind“, erklärt die Kursleiterin der Lehrerin. „Und durch unsere Angebote und Materialien unterstützen wir gleichzeitig die Lehrkräfte bei der Gestaltung von besonderen Unterrichtseinheiten.“

Bonomo nickt. Sie war schon häufiger mit Schulklassen in der experimenta. „Alle meine Kolleginnen und Kollegen finden das Angebot richtig gut“, sagt sie. Auch die Kinder sind begeistert. „Ich muss auf jeden Fall mal mit meinen Eltern herkommen“, ruft Elaina.

Über die experimenta

Die experimenta ist ein anerkannter außerschulischer Lernort und bietet Wissenschaftsthemen zum Anfassen für alle Altersgruppen. In Deutschlands größtem Science Center können Interessierte aller Altersgruppen auf über 25.000 Quadratmetern Wissenschaft, Technik und Alltagsphänomene erleben. Zur Auswahl stehen mehr als 275 Mitmachstationen, Laborkurse, ein einzigartiger Science Dome und eine Sternwarte. Ganz nach dem Grundsatz „Erleben schafft Wissen“ können die Besuchenden hier eigene Fähigkeiten erkennen und diese weiter ausbilden.

 

Eigens für Schulklassen bietet die experimenta das sogenannte Weltenprogramm an, das Themen wie Nachhaltigkeit oder Studien- und Berufsfindung umfasst und bei dem die interaktive Ausstellung, die Labore und der Science Dome besucht werden können. Dabei gehen die Lehrkräfte mit ihrer Klasse auf Erkundungstour. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich nicht nur intensiv mit einem Thema, sie sammeln gemeinsam Erfahrungen und arbeiten als Team zusammen. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Dabei unterstützt das experimenta-Team die Lehrkräfte in der Schulkommunikation individuell – von der Planung über Begleitmaterial bis zu maßgeschneiderten Angeboten.

 

Hauptmotor und Förderer hinter der experimenta ist die Dieter Schwarz Stiftung. Das Science Center setzt einen klaren Fokus auf Bildung und Wissenschaft – vor allem in den Bereichen Naturwissenschaft, Technik und Digitalisierung. Die Stiftung verfolgt mit der Unterstützung der experimenta das Ziel, junge Menschen für diese Themen zu begeistern.

„Und jetzt: langsam schmecken“

Derweil breitet sich der Duft frisch gebackener Quarkzöpfe in der Küche aus. Bevor die Backwaren aus dem Ofen geholt werden, bittet Lenk ihre kleinen Forscherinnen und Forscher noch zu einer Schulung für alle Sinne. Die Kurs­leiterin verteilt Butter­kekse. „Schaut euch den Keks an. Wie sieht er aus, wie fühlt er sich an? Brecht ihn durch! Hört ihr das Knacken? Riecht er nach Butter? Und jetzt: langsam schmecken.“ Die Kinder tasten, schnuppern, knabbern. „Mit geschlossenen Augen schmeckt er süßer!“, ruft Ellsa. Anton meint: „Meiner riecht nach Vanille.“ Lenk ermutigt: „Ihr habt so viele Sinne, nutzt sie alle. Ihr werdet sehen: So entdeckt ihr Dinge, die euch sonst entgehen.“

Dann sind endlich die eigenen Backwaren fertig. Die Kinder präsentieren sie nacheinander, jede und jeder darf woanders kosten. „Erst schauen, dann tasten, aus­einander­brechen, riechen – und schließlich probieren“, erinnert Lenk und stellt die entscheidende Frage: „Wer erkennt die geheime Zutat?“ Ellsa ruft sofort: „Der hier riecht nach Kaiser­schmarrn. Da ist Vanille drin.“ Elaina schließt die Augen, kaut langsam: „Ich glaube, das ist Zitrone.“ Isak tippt auf Zimt. Anton ruft: „Orange schmeckt man sofort; das ist ein wenig bitter.“

Backen ist Teamwork, und die teilnehmenden Schulkinder haben gelernt, wie es ist, mit allen Sinnen zu lernen.
Backen ist Teamwork, und die teilnehmenden Schulkinder haben gelernt, wie es ist, mit allen Sinnen zu lernen.

Mit gutem Gefühl nach Hause gehen

Die Kinder sind noch mittendrin im Probieren und Raten, als Dr. Franziska Lang, Geschäfts­führerin der experimenta, in der Experimentier­küche vorbei­schaut. Sie lässt sich die Ergebnisse zeigen, lobt die Kreativität und den Spürsinn der Kinder: „Ihr habt heute nicht nur gebacken, sondern mit allen Sinnen geforscht. Genau das ist es, was wir in der experimenta fördern möchten: dass ihr erlebt, wie spannend das eigene Tun und Entdecken sein kann.“ Kurs­leiterin Lenk ergänzt: „Ich bin immer wieder beeindruckt, wie die Kinder aufblühen, wenn sie mit den Händen arbeiten dürfen – und wie stolz sie sind, wenn sie am Ende ihr eigenes ‚Werkstück‘ in den Händen halten.“

Nach drei Stunden packen die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Kreationen ein – und nehmen weit mehr mit nach Hause als ein leckeres Gebäck. „Ich lasse meine Schwester raten, was drin ist“, sagt Anton verschmitzt. Und Farith schwärmt: „Das war wirklich toll hier. Ich wusste gar nicht, dass man mit seinen Sinnen so viel lernen kann.“

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