Warum tun Sie das ausgerechnet in Heilbronn? Es wäre doch einfacher gewesen, eine bestehende Spitzenuniversität zu unterstützen und auszubauen, oder?
Geilsdörfer: Erstens stammt unser Stifter hier aus Heilbronn und möchte seiner Stadt etwas zurückgeben. Deshalb war diese regionale Komponente, dieser Lokalpatriotismus, von Anfang an ein Merkmal unserer Stiftung. Aber zweitens ist uns völlig klar: Wenn wir hier in der Region erfolgreich sein möchten, müssen wir unsere Hände weit darüber hinaus ausstrecken. Wir brauchen internationale Strukturen, wie wir sie ja mit den Stiftungsprofessuren und vielen anderen Maßnahmen aufbauen. Um auf Ihre Frage zu antworten: Genau das hätten wir auch an jedem beliebigen anderen Standort machen können – egal, wie groß und renommiert die bereits vorhandenen Einrichtungen dort sind. Wir sind also hier in der Region verwurzelt und stärken sie, indem wir uns international vernetzen.
Renner: Uns gelingt es, viele internationale Studierende für Heilbronn zu gewinnen, die hier fantastische Studienangebote finden. Und natürlich haben wir ein Interesse daran, dass sie nach ihrem Abschluss auch in der Region bleiben. Dass sie sehen, wie wirtschaftsstark wir hier sind, welche Möglichkeiten sich hier bieten. Auch die Verbindung aller unserer Aktivitäten mit der Region und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern ist für uns von großer Bedeutung. Wir versuchen, alle mitzunehmen.
Geilsdörfer: Unter dieser Prämisse ist unsere Stiftung ja auch gegründet worden. Die Überlegung war damals, wie wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern können. Die Antwort lautet: Bildung. Die nächste Frage war, was erforderlich ist für eine positive Entwicklung der Gesellschaft. Hier lautet die Antwort: eine prosperierende Wirtschaft. Auch dafür ist Bildung ein Schlüssel. Alle unsere Projekte haben als gemeinsamen Nenner: Sie sichern Zusammenhalt, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand.
Die Aufgabe ist heute ja nicht gerade einfacher geworden in den Zeiten von so grundlegenden Umstürzen, oder?
Renner: Nein, aber umso wichtiger ist es doch, dass es Einrichtungen und Menschen gibt, die mutig Neues wagen. Ich bin vor zehn Jahren nach Heilbronn gekommen, um die experimenta mitaufzubauen. Damals war es mir wichtig, dass wir junge Leute durch diese besondere Wissensvermittlung eines Science Centers für Naturwissenschaften begeistern. Dass wir ihnen Mut machen und sie für Zeiten des Wandels befähigen. Dies ist ein Kernanliegen unserer Stiftung. Dafür brauchen wir innovative Bildungskonzepte und neue Formate, um Kompetenzen für die Welt von morgen zu vermitteln. Das ist meine Vision für die Stiftung.
Bleiben wir bei der Vision: Was ist Ihre Vision, Herr Professor Friedl?
Friedl: Wir werden schon bald ein florierendes Innovationsökosystem in Heilbronn haben mit einer beeindruckenden Zahl von Unternehmen, die sich an unserem IPAI befinden. Diese Unternehmen, die Start-ups und die Wissenschaftseinrichtungen arbeiten an den Zukunftsthemen, und wir senden von Heilbronn ein Signal aus: In Deutschland und in Europa sind wir mit unseren guten Ideen wettbewerbsfähig.
Herr Professor Geilsdörfer, in der Stiftung ist schon sehr viel in Bewegung geraten. Kann da noch so viel mehr kommen?
Geilsdörfer: Oh ja! Wir stehen erst am Anfang einer großen Reise. Die Dynamik der vergangenen Jahre wollen wir unbedingt beibehalten. Bei alledem habe ich vor allem einen Wunsch: dass es in Deutschland Hunderte solcher Initiativen gibt, wie wir sie hier starten. Das ist es, was unser Land in die Zukunft bringt.