Schon vor sechs Jahren haben Sie dazu den Verein Wissensstadt Heilbronn e.V. gegründet, der auch Events und Formate entwickelt hat. Warum jetzt noch COSMOS HN?
Rieck: Wir sehen die Wissensstadt als Vorläufer dieser Entwicklung; viele der dort begonnenen Initiativen werden wir übernehmen. Die Dieter Schwarz Stiftung vereint jedoch inzwischen so viele Aktivitäten, dass wir eine schlagkräftigere Einrichtung brauchen – deshalb ist COSMOS HN auch kein eingetragener Verein, sondern eine gemeinnützige GmbH. Und international verständlicher ist der neue Name auch.
Renner: Wir haben viele Zwischenziele erreicht, jetzt zünden wir sozusagen die nächste Raketenstufe. Während sich traditionelle Universitätsstandorte über Jahrhunderte entwickelt haben, gilt für Heilbronn eine andere Dynamik. Die Stadt gewinnt bereits heute internationale Sichtbarkeit für KI-Forschung. Der nächste Meilenstein ist es, die Studierendenzahl langfristig auf 20.000 zu steigern. Mit COSMOS HN schaffen wir dafür den passenden strategischen Rahmen.
Der Claim von COSMOS HN lautet: „Welcome to the place of possibilities“. Wie sollen diese Möglichkeiten entstehen?
Renner: Uns geht es darum, dass hier jeder seine Möglichkeiten ausschöpfen und seine Zukunft selbst entwickeln kann: Die experimenta macht Wissenschaft erlebbar, insbesondere für Familien. Wir unterstützen frühkindliche Bildung, wir fördern Sprachdozenten für Grundschulkinder, wir haben unsere Josef-Schwarz-Schule, und wir bieten berufliche Weiterbildung an, um nur einige Beispiele zu nennen. Und, nicht zu vergessen, unsere Formate für die Stadtgesellschaft: die Bürger-Uni, bei der Wissenschaftler ihre Forschung den Heilbronnern anschaulich näherbringen.
Rieck: „Place of possibilities“ bedeutet für uns, dass wir hier Einrichtungen auf Weltniveau haben, dazu starke Partner – und dass sich alle auf Augenhöhe gemeinsam fordern und fördern. Um Großes entstehen zu lassen, braucht man ein starkes und dynamisches Umfeld.
Wie wollen Sie das mit COSMOS HN erreichen?
Rieck: Bei COSMOS HN haben wir drei Handlungsfelder, um unsere Aufgabe mit Leben zu füllen. Eines davon heißt Kooperation und Vernetzung. Der Gedanke dahinter ist, dass sich Innovationen besonders gut entwickeln, wenn unterschiedliche Menschen und Perspektiven zusammenkommen. Wenn man sich ergänzt, diskutiert und dann auf neue Ideen kommt. Wir wollen dafür sorgen, dass es neue Begegnungsräume gibt, um dieses Potenzial voll zu nutzen.
Welches sind die anderen beiden Handlungsfelder?
Rieck: Nummer zwei ist eine größere Sichtbarkeit für alles das, was hier in Heilbronn passiert; das ist die Strahlkraft, von der wir schon sprachen. Und Nummer drei ist eine Willkommens- und Bleibekultur.
Was verstehen Sie darunter?
Rieck: Viele kommen zum Studium nach Heilbronn oder auch, um hier zu gründen, zu lehren oder zu forschen. Wir möchten, dass diese Leute Wurzeln schlagen und bleiben, wenn die Vorlesungen zu Ende sind, wenn die Abschlussarbeit geschrieben ist. Die Talente sollen bleiben – davon profitieren dann nicht zuletzt die mittelständischen Unternehmen und Weltmarktführer, die hier in der Region ihren Sitz haben.
Renner: Genau das war schon das Anliegen unseres Stifters Dieter Schwarz, als er die Stiftung vor mehr als 25 Jahren gegründet hat: Er möchte den Wohlstand in der Region erhalten. Wenn wir die Lebensqualität und die Wirtschaft sichern, dann fördert das auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Darum geht es uns.