„Eine Perspektive für das eigene Leben finden“
Gegen das Gefühl von Ohnmacht: Jan Ilhan Kizilhan erklärt, wie unterschiedlich Kulturen mit traumatischen Erfahrungen umgehen – und wie verschiedene Wege zum selben Ziel führen.
Mehr lesen
Um das Potenzial von Hochleistungsrechnern zu nutzen, entwickelt und optimiert Hartwig Anzt vom TUM Campus Heilbronn Methoden zur Lösung mathematischer Gleichungen. Sein Ziel: eine effizientere Software.
Moderne Supercomputer können mehr als eine Trillion Rechenoperationen ausführen – pro Sekunde, wohlgemerkt. Seit 1965, als der amerikanische Chemiker Gordon Moore (1929–2023) recht genau vorhersah, dass sich die Zahl von Transistoren auf Computerchips innerhalb von ein bis zwei Jahren verdoppeln würde, hat sich die Rechenleistung billionenfach erhöht.
Solche High-Performance-Computer (HPC) kommen beispielsweise zum Einsatz, wenn es darum geht, Strömungsverhältnisse in Flugzeug- und Raketentriebwerken zu simulieren oder die Entwicklung von Galaxien und schwarzen Löchern. Sie trainieren neuronale Netze, optimieren Algorithmen künstlicher Intelligenz und machen Wettervorhersagen zuverlässiger.
Doch neben der Hardware muss auch die Software mit den komplexer werdenden Ansprüchen in Forschung und Technologie Schritt halten. „Wir brauchen nicht nur mehr Rechenleistung, sondern auch effizientere Programme für die immer aufwendigeren Simulationen“, bringt es Hartwig Anzt von der TUM School of Computation, Information and Technology (CIT) auf den Punkt.
Zum Beispiel ICON: Das Modell für Wetter- und Klimavorhersagen wurde vom Deutschen Wetterdienst, dem Max-Planck-Institut für Meteorologie, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und anderen Institutionen entwickelt. Es liefert unter anderem die Daten für die Wettervorhersagen am Ende der „Tagesschau“.
Das Programm berechnet seine Prognosen zukünftiger Wetterentwicklungen auf der Basis eines Gitternetzes, das die Erdoberfläche abbildet. Dieses Netz enthält Daten wie Temperatur, Druck oder Feuchtigkeit aus historischen und aktuellen Messungen. Für Regionen, in denen eine hohe Vorhersagegenauigkeit benötigt wird, kann das Gitternetz – und damit die numerische Approximation, also Näherung – sehr feinmaschig berechnet werden.
Doch mit der feineren räumlichen Auflösung steigt die Zahl der Daten – und damit auch der Rechenaufwand. „Deshalb konzentrieren wir uns darauf, die Berechnungen zu beschleunigen“, sagt Hartwig Anzt. „Das ist wichtig, weil ICON für eine Vorhersage sehr viele Simulationen durchführt, und zwar jeweils mit leicht veränderten Parametern.“ Solche „Ensemble-Simulationen“, so der Informatiker, sind aufwendig, reduzieren aber Unsicherheiten in den Vorhersagen.
Im Kern geht es bei Computermodellen stets um die Lösung linearer und nicht linearer Gleichungssysteme. Diese liegen den Modellierungen des Wettergeschehens genauso zugrunde wie der Simulation von Windanlagen oder Triebwerken. „Meist kommt es gar nicht darauf an, was genau berechnet werden soll“, sagt Hartwig Anzt und kommt auf eines seiner wichtigsten Forschungsthemen zu sprechen: GINKGO.
Der Informatiker gehört zu den Mitentwicklerinnen und Mitentwicklern dieses Softwarepakets, das verschiedene numerische Methoden zur Lösung von Gleichungssystemen bereitstellt. „Das kann man sich wie eine Art Werkzeugkasten vorstellen, mit dem Forschende ihre Gleichungen lösen können.“ Das heißt: Entwicklerinnen und Entwickler können ihre Software zur Modellierung verschiedenster Aufgaben schlanker programmieren, indem sie Schnittstellen zu GINKGO einbauen, welches dann numerische Verfahren für die Gleichungssysteme bereitstellt und die Rechenarbeit effizient übernimmt.
Der TUM Campus Heilbronn ist Teil der Technischen Universität München (TUM). Er vereint innovative Forschung, Talentförderung und gesellschaftliche Verantwortung mit unternehmerischem Mut und arbeitet dabei eng mit der wirtschaftsstarken Region Heilbronn-Franken zusammen, die von mittelständischen Unternehmen, darunter zahlreichen Weltmarktführern, geprägt ist. Mit einem Fokus auf Management sowie Computation, Information and Technology fördert der TUM Campus Heilbronn die Fachkräfte von morgen, ermöglicht den Wissenstransfer und entwickelt innovative Lösungen für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters.
Die Dieter Schwarz Stiftung hat den Aufbau des TUM Campus Heilbronn initiiert. Sie stellt nicht nur die Infrastruktur auf dem Bildungscampus in Heilbronn bereit, sondern fördert auch Professuren, Forschungszentren und zahlreiche Initiativen etwa im Bereich der digitalen Transformation.
Ein besonders ehrgeiziges Ziel hat sich das Team vom TUM Campus Heilbronn mit der Simulation des menschlichen Herzens gesteckt. Im Rahmen des Projekts MICROCARD des „Gemeinsamen Unternehmens für europäisches Hochleistungsrechnen“ (GU EuroHPC) geht es um nicht weniger als ein Computermodell des menschlichen Herzens auf Zellebene. „Wir wissen, dass die einzelnen Herzzellen mithilfe elektrochemischer Prozesse miteinander kommunizieren“, sagt Anzt. „Aber wie das genau funktioniert und welche Anomalien zu Herzrhythmusstörungen oder einem Herzinfarkt führen, verstehen wir noch nicht.“
Bisher reichte die Rechenleistung für die Simulation auf Zellebene schlichtweg nicht aus, schließlich hat unser Herz mehrere Milliarden Zellen. Mithilfe von GINKGO soll dies nun gelingen. In der Zukunft, so hofft Anzt, lässt sich das Herz als „digitaler Zwilling“ abbilden. Im Modell können dann diagnostizierte Herzrhythmusstörungen oder andere Symptome von Patientinnen und Patienten simuliert werden – mit dem Ziel, im digitalen Herzen die Regionen zu identifizieren, in denen die Erregungsleitung bei den Betroffenen gestört ist. So wissen die Kardiologinnen und Kardiologen frühzeitig, wo und wie sie ihre Behandlung ansetzen müssen, um beispielsweise einen drohenden Infarkt zu verhindern.
Gegen das Gefühl von Ohnmacht: Jan Ilhan Kizilhan erklärt, wie unterschiedlich Kulturen mit traumatischen Erfahrungen umgehen – und wie verschiedene Wege zum selben Ziel führen.
Mehr lesenIn Heilbronn wird ein digitaler Zwilling erprobt, um das Wassernetz effizienter und sicherer zu machen. Das spart Ressourcen und Kosten – und eröffnet Unternehmen neue Geschäftsmodelle.
Mehr lesenForschende am MOLIT Institut für personalisierte Medizin entwickeln Methoden, mit denen sich medizinische Daten analysieren und individualisierte Krebstherapien verbessern lassen.
Mehr lesen